Energetische Verwertung

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Die ökologische Rolle von PVC in Müllverbrennungsanlagen

PVC war in der Vergangenheit zu etwa 50% für den Chloreintrag in MVA (Müllverbrennungsanlagen) verantwortlich. Aufgrund des Rückgangs von PVC im Verpackungsbereich und der Verwertungsaktivitäten des DSD liegt der Anteil heute sicher niedriger. Die aus PVC und den anderen Chlorquellen (vor allem Nahrungsmittel) entstehende Salzsäure (HCl) kann sehr effektiv aus Rauchgasen entfernt werden. HCl- Emissionen aus MVA spielen daher absolut und relativ zu anderen sauren Abgasen auch aus anderen Quellen keine Rolle mehr.
Heute ist klar, dass die Menge an PVC in der Müllverbrennung unerheblich ist für die Dioxinemissionen. Müllverbrennungsanlagen sind ohne weiteres in der Lage, selbst strenge Abgaswerte von 0,1 Nanogramm (ng) Toxizitätsäquivalente pro Normkubikmeter (TEQ/Nm3) zu erfüllen, wie sie seit 1999 nach der 17. Bundes Immissionsschutz- Verordnung (BImSchV) in Deutschland gelten und nach dem Entwurf von 1998 auch EU-weit vorgesehen sind. Untersuchungen, die insbesondere vom Forschungszentrum Karlsruhe durchgeführt worden sind belegen, dass moderne Müllverbrennungsanlagen eine Dioxin-Senke darstellen. In einer neuen Untersuchung an 8 bayerischen MVA im Zeitraum von 1993 bis 1997 konnten sogar Abscheidegrade für PCDD/ PCDF von etwa 99% festgestellt werden.

Die ökonomische Rolle von PVC in Müllverbrennungsanlagen

Generell hängt die Höhe der Verbrennungskosten vom gewählten Verfahren und den damit verbundenen Investitionen, dem Auslastungsgrad der Anlage und den Folgekosten insbesondere für die Rauchgaswäsche und die Rückstandsbehandlung ab. In Europa werden überwiegend Rostfeuerungen mit nachgeschalteter Rauchgasreinigung betrieben. Dabei dominieren die Nass- und quasi-trokkenen Verfahren mit einem Anteil von über 60 %. Diese Prozesse haben die geringsten Rückstände und sind deshalb am preisgünstigsten. Mit dem von Solvay entwickelten NEUTREC®- Verfahren oder mit der Salzsäurerückgewinnung werden die zu deponierenden Rückstände reduziert und damit Kosten gesenkt.
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Die im November 2000 veröffentlichte Kirrman- Studie »Incineration of PVC and other products in MSW« hat die Kosten (werkstoffbezogene Kosten im Vergleich zu Kosten für durchschnittlichen Siedlungsabfall) verschiedener Materialien in der Müllverbrennung bei gleichen Rahmenbedingungen verglichen. Kunststoffe nehmen einen Bereich zwischen 260 und 400 Euro pro Tonne ein. Die häufig unterstellten besonders hohen Aufwendungen für das Mitverbrennen von PVC werden nicht bestätigt, vielmehr liegt der Werkstoff mit 320 Euro für Weich- PVC, 340 Euro für Hart-PVC und 330 Euro für PVC allgemein im Mittelfeld der untersuchten Materialien. Die Behandlungskosten für Restmüll würden sich also nur unwesentlich reduzieren, wenn PVC vollständig aus dem Restmüll eliminiert würde. Die gelegentlich behaupteten Mehrkosten durch PVC- Müll rechtfertigen deshalb keine Sonderregelung für den Werkstoff.

Fazit

Das Thema energetische Verwertung und PVC in der Müllverbrennung ist in seinen vielfältigen Aspekten durch zahlreiche Studien sehr intensiv erforscht worden. PVC führt in der Müllverbrennung nur zu marginalen Mehrkosten. Deshalb ist es nicht sinnvoll, PVC-Abfälle aus der Müllverbrennung fern zu halten oder einen speziellen Deckungsbeitrag für PVC- Produkte zu erheben. Die gute Datenlage lässt generell den Schluss zu, dass PVC in der Verbrennung keinen Problemstoff darstellt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Broschüre PVC in der Müllverbrennung .